Ich
lese gerade ein Buch: “Bleib dran, wenn dir etwas wichtig ist”. Dabei
habe ich gemerkt, dass mein Augenprojekt leicht in den Hintergrund abgerutscht
ist. Ich habe so viele Dinge und Projekte in meinem Kopf, dass es manchmal
schwierig ist, sich überhaupt auf etwas zu konzentrieren. Also werde ich meine Prioritäten wieder etwas umsortieren.

Nichtsdestotrotz
hatte ich ein Erfolgserlebnis:

Ich
besuchte meinen Bruder in Wengen und war zwei Tage Ski fahren. Natürlich nahm
ich beide Brillen mit (-3/-4 und -5.5/-7), da ich mir nicht zutraute, mit der
schwächsten meiner Brillen über die perfekten Skipisten zu rasen. Das Wetter
war grandios, was die Sicht natürlich extrem erleichterte. Ich setzte zuerst
die stärkere Brille auf, da ich mich ja schliesslich zurecht finden musste, bis
ich endlich die Ski anschnallen konnte. Dabei dachte ich mir: OK, versuchen
wir’s mal mit der schwächsten Brille – wenn ich nicht genug sehe, kann ich ja
immer noch wie ein Anfänger die Skipiste runter rutschen. Aber oh Wunder, ich
sah mehr als genug, um mein normales Tempo zu fahren. Einzig die schattigen Abschnitte
der Piste waren etwas herausfordernd, dort reduzierte sich die Sehschärfe
nämlich gleich um etwa die Hälfte. Davon liess ich mich jedoch nicht beirren.

Natürlich
sah ich nicht jederzeit alles scharf… und so kam es dass ich meinen Bruder
über meinen Gehörsinn wahrnehmen musste hahahahaha….. wir hatten vereinbart,
dass er bei Verzweigungen jeweils warten würde, damit wir uns nicht aus den
Augen verlieren. Einmal, als ich bei einer solchen Verzweigung ankam, dachte
ich mir: “Wo steckt er bloss? Der kann doch nicht einfach weiter gefahren
sein?”. Ich schaute mich um, sah jedoch niemanden. Plötzlich hörte ich
seine Stimme: “Hier bin ich!” und ich dachte bloss: “Wo
hier?”. Es stellte sich heraus, dass er mit seiner roten Skihose und
seiner Blauen Jacke genau vor einem roten Absperrnetz mit blauer Werbetafel
wartete – also ein Ding der Unmöglichkeit, ihn zu entdecken – zumindest für
mich ;-).

Was
mir jedoch an diesen zwei Tagen einmal mehr bewusst wurde, ist die Tatsache,
dass es in der Natur viel einfacher ist, scharf zu sehen als in der Stadt.
Vielleicht hat das damit zu tun, dass meine geistige Verkrampfung in einer
städtischen Umgebung, wo es überall Tafeln mit Buchstaben gibt, viel grösser
ist als in der Natur, wo es nichts zu lesen gibt?

Ich
bleibe dran…… denn es gibt immer wieder Fortschritte, auch wenn diese klein
sind und kaum bewusst wahrnehmbar. Aber eines Tages – schon bald – werde ich
ohne Brille scharf sehen.